{"id":227,"date":"2013-11-24T04:30:20","date_gmt":"2013-11-24T03:30:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.krichmayr.at\/?p=227"},"modified":"2022-12-07T14:27:50","modified_gmt":"2022-12-07T13:27:50","slug":"parallelwelten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.krichmayr.at\/?p=227","title":{"rendered":"Parallelwelten"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_229\" aria-describedby=\"caption-attachment-229\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.krichmayr.at\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/IMG_3336.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-229 \" alt=\"Barista-Queen Agostina &amp; ihr Chef\" src=\"http:\/\/www.krichmayr.at\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/IMG_3336-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.krichmayr.at\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/IMG_3336-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.krichmayr.at\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/IMG_3336-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.krichmayr.at\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/IMG_3336-624x467.jpg 624w, https:\/\/www.krichmayr.at\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/IMG_3336-960x720.jpg 960w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-229\" class=\"wp-caption-text\">Barista-Queen Agostina &amp; ihr Chef<\/figcaption><\/figure>\n<p>Buenes Aires ist halt auch nur ein Dorf. Heute sind wir mit dem 130er-Bus, der mit rasendem Tempo \u00fcber die mindestens 10-spurigen Avenidas schmettert - und gerade nur so lang anh\u00e4lt, bis der letzte in der Schlange einen Fu\u00df in der T\u00fcr hat - zum Biomarkt nach Belgrano ged\u00fcst. Und wen treffen wir an einem der Standeln am anderen Ende der Stadt? Agostina von der Cafeteria am Markt, wo sie uns jeden Tag schon ungefragt unseren jeweiligen Kaffee hinstellt. Also haben wir gleich einmal eine Sonderbehandlung und einen Kaffee aufs Haus gekriegt. Und nebenbei hat sich herausgestellt, dass das junge M\u00e4dl mit Undercut-Frisur und Tatoos die amtierende Barista-Staatsmeisterin Argentiniens ist.<\/p>\n<p>Jetzt also, wo wir nur noch knapp eine Woche in der Stadt haben, sind wir so richtig angekommen. Der schwerh\u00f6rige Opa von der Panaderia am Markt versucht jedes Mal geduldig zu erg\u00fcnden, welches seiner selbstgebackenen Weckerl oder Alfajores (Kekserl mit Cremef\u00fcllung und Zuckerguss) wir haben wollen. Der Kellner vom Plaza Dorrego begr\u00fc\u00dft uns schon mit Busserl auf die Wange, wenn wir vorbeikommen. Nicht zu vergessen der verr\u00fcckte Alki, der in Milit\u00e4runiform mit Plastikpistole im Viertel \"patrouilliert\" und uns immer schief anschaut. Und wir wissen jetzt auch schon blind, wo der kleine Eingang zur absolut genialen Pizza-Imbisstube ist, wo sich jeden Abend die Leute dr\u00e4ngen, um ihr schief geschnittenes<br \/>\n7 Pesos-Pizzast\u00fcck aus verbeulten Blechen entgegenzunehmen, die laufend aus der K\u00fcche geschupft werden und von einer hantigen Frau mit langen grauen Haaren verkauft werden. Es gibt keine Tische und Sessel, und trotzdem k\u00e4me keiner auf die Idee, das fettige Teil, das auf einem Blatt Papier serviert wird, mit auf die Stra\u00dfe zu nehmen. \u00dcberhaupt sieht man nie jemand auf der Stra\u00dfe essen. Stattdessen bleiben alle in dem mit einer Galerie aus alten Bildern, Troph\u00e4en, Peronismo- und Fu\u00dfball-Kitsch vollgestopften Laden stehen, mampfen vor sich hin und plauschen miteinander.\u00a0Und heute waren wir beim Friseur! Der Name \"Shock Hair\" hat uns sofort angesprochen. Entgegen unserer \u00c4ngste, das wir eine Schockfrisur kriegen, hat Jorge (eine Mischung zwischen Mario Adorf und Sean Connery) seine Sache recht gut gemacht - wir haben jetzt endlich eine waschechte Porte\u00f1o-Frisur :)<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.krichmayr.at\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/P1040270.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-231\" alt=\"P1040270\" src=\"http:\/\/www.krichmayr.at\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/P1040270-225x300.jpg\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.krichmayr.at\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/P1040270-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.krichmayr.at\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/P1040270-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.krichmayr.at\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/P1040270-624x832.jpg 624w, https:\/\/www.krichmayr.at\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/P1040270-960x1280.jpg 960w\" sizes=\"(max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a>Am Anfang kam uns die Stadt - abgesehen von den extrem freundlichen Leuten - ziemlich verschlossen und abweisend vor. Besonders in San Telmo sind viele Gesch\u00e4fte verrammelt und verriegelt, \u00fcberall sind H\u00e4user zu verkaufen oder zu vermieten. Wir sind f\u00fcnf Mal durch ein die selbe Stra\u00dfe gegangen und jedesmal hat sie - je nach Tageszeit und Wochentag - v\u00f6llig anders ausgesehen, auf einmal war da eine Konditorei oder eine Boutique oder ein Empanadagesch\u00e4ft, wo vorher nur Rolll\u00e4den waren. Mittlerweile sind wir so weit, dass wir auch mal nach oben schauen und die wundersch\u00f6nen kolonialen, teils ruin\u00f6sen und verwachsenen Geb\u00e4ude haben. Jetzt er\u00f6ffnet sich uns langsam das\u00a0versteckte Labyrinth, das parallel zu den schachbrettmusterartigen Stra\u00dfenz\u00fcgen existiert, n\u00e4mlich in den H\u00f6fen und G\u00e4ngen der wurstf\u00f6rmigen H\u00e4user. Casa de chorizo nennt sich die traditionelle Bauweise: Eine schmaler Eingang zur Stra\u00dfe hin, dahinter strecken sie sich bis zu 30, 40 Meter nach hinten. Hinter jeder T\u00fcr tut sich eine neue Welt auf, die von au\u00dfen nicht erkennbar ist - eine mehrst\u00f6ckige Bar mit Dachterasse, eine Teenagerdisco, experimentelles Theater, eine Tangoshow, ein Hof voll mit Restaurants, Charlie Chaplin-Filme, die stumm auf die Mauern des besetzten Hauses nebenan projiziert werden. So etwas wie T\u00fcrschilder und Namen an den Klingeln ist nicht zu erkennen. Man muss einfach wissen, wo man hinwill, und dass zum Beispiel genau hinter der roten T\u00fcr in dem einen Block eine l\u00e4ssige Location ist.<\/p>\n<p>Etwas anderes ist mir auch erst sp\u00e4t aufgefallen: Nirgendwo gibt es nur ann\u00e4hernde Anzeichen, das Weihnachten bevorsteht. Keine Schoko-Nikolos, keine h\u00e4sslichen Gestecke und Kugeln in den Schaufenstern, keine Christb\u00e4ume, nada. In diesem erzkatholischen Land haben wir ausgerechnet in Chinatown (im Stadtteil Belgrano) zum ersten Mal in einem Ramschladen einen Plastik-Christbaum gesehen. \u00dcberhaupt ist der westliche Einheitsbrei an Supermarkt- und Modeketten noch nicht angekommen. Es gibt zwar Shopping-Center mit den \u00fcblichen Marken, aber im Stadtbild herrschen die Einzelh\u00e4ndler vor - die aber zugebenerma\u00dfen auch \u00fcberall die selben Fetzen mit den selben Mustern haben. Einheitlich gekleidet sind auch die Schulkinder in den \u00f6ffentlichen Schulen: Sie tragen wei\u00dfe Arztkittel in Miniaturausgabe, Baby-Blaum\u00e4nner oder eine Art K\u00fcchensch\u00fcrzen. Ziemlich skurril! Bei den \u00e4lteren sind \u00fcbrigens Plateauhufe in jeder Fa\u00e7on total in, ob als Birkenstock-Schlapfen mit Glitzerriemchen oder gesundheitsschuhartige Stampfer. Die tr\u00e4gt hier jede. Aber man muss sich ja nicht in allem anpassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Buenes Aires ist halt auch nur ein Dorf. Heute sind wir mit dem 130er-Bus, der mit rasendem Tempo \u00fcber die mindestens 10-spurigen Avenidas schmettert - und gerade nur so lang anh\u00e4lt, bis der letzte in der Schlange einen Fu\u00df in der T\u00fcr hat - zum Biomarkt nach Belgrano ged\u00fcst. 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